Aufbruchstimmung

Die letzten Tage sind gezählt. Abschied ist angesagt. Eigentlich sagen wir fast jeden Tag Abschied. Immer dann, wenn wir unsere Sachen wieder einräumen, die Räder anschnallen und die Türen schließen. Wir verlassen den Platz und treiben weiter, dorthin wo es uns gerade hinzieht. Jeder Platz ist auf seine Weise einmalig und der Weg führt uns nie zweimal zum gleichen Platz. Wir haben fast jedes Land Italiens besucht und jetzt einmal von oben bis unten alles durchquert. Eine einzigartige und aufregende Zeit, die wohl nie mehr so erlebt werden kann. In Zeiten von Lockdown und roten Zonen in Menschenleeren Städten und einsamen Plätzen haben wir viel Herzlichkeit und Wunderbares gefunden. Nun heißt es Abschied nehmen von Italien. Aufbruch ist angesagt. Es geht nach Albanien. Von Bari nach Durres mit der Fähre. Zumindest so der Plan…

Der starke Wind hat endlich nachgelassen, auch wenn er leider in Wellen immer wieder kommt. Wir haben also zwischen 28 Grad und super Hitze immer wieder starken Böen, Regen und können nicht aus dem Auto. Wir streifen von Stränden über Plätze im Inneren und versuchen den Wetter stand zu halten. Bei Hitze im Meer und bei Wind an bebauten, bepflanzen Orten. So kommen wir in eine Stadt, die eins der sehenswerteren Naturspektakel bietet. Ein durchs Meer erzeugtes Schwimmbecken in Marina Serra Lecce. Bereits in den 50er Jahren wurden Zugänge aus dem schroffen Küstengestein geschlagen, um den Anwohner den Zugang zu ermöglichen. Es erinnert mich ein wenig an das in Irland auf den Aran Island liegende Wormhole. Aber anders als dieses wirklich rechteckige Becken, erstreckt sich das Naturbad hier von einem höhlenartigen Durchgang vom Meer über einen flachen Beckenartigen Bereich bis zu einer direkten Öffnung zum Meer. Die Wellen werden gebrochen und schwappen nur leicht in das Becken. So das dieses ruhig und wärmer als das Meer ist. Einfach wundervoll und wir bei besten Wetter dort. Sogar Lilou steigt mit den Füssen und Po rein, bevorzugt dann aber doch wieder ihr aufgewärmtes Schwimmbecken. Wir sind nicht alleine, es sind einige Anwohner da, die lauthals diskutieren und uns erzählen, dass sie jeden Tag hier sind. Das ist gut für die Gesundheit und National Geographik hat den Ort zu den 10 Schönsten gekürt.

Wir bleiben den Vormittag, dann kommt der Wind und wir ziehen weiter. In verschiedene Städte, schauen uns die Trullis in Alberobello an. Nett, aber nicht weiter erzählenswert, so touristisch ist es ausgebaut. Wir essen Eis und sehen weiße Städte. Wundervoll verwinkelt und verwunschen. Wir schlafen an einer Kirche und kommen dann an einen wundervollen Platz. Hängematte und Schaukel werden aufgespannt und wir schauen den Paragleitern beim Aufstieg und Gleitflug zu. Man sieht übers Land und wir sagen langsam auf Wiedersehen.

In Bari angekommen, ist die Einsamkeit vorbei. Fast ganz Italien ist gelb, so auch hier und es herrscht wieder Leben. Die Geschäfte sind offen und die Leute strömen auf die Straßen. Wir finden ewig keinen Parkplatz und wollen doch sehr nah am Hafen sein. Als wir endlich einen haben, können wir kein Parkticket ziehen. Deutsche Kennzeichen darf man nicht eingeben. Also lassen wir das Auto stehen und gehen so durch die Altstadt an den Hafen. Wir wollen die Fähre buchen. Mit Lilou dauert es ein wenig und die Sonne brennt. Beim Ticketbüro angekommen, sagt man uns, dass wir ein Ticket kaufen können, die Fähre aber noch nicht betreten dürfen. Italien erlaubt die Ausreise nicht. Also wozu Ticket kaufen? Wann es sich ändert, wisse man nicht, wir sollen direkt bei den Behörden am Hafen anfragen. Wir laufen los, werden zum Bus geschickt, der uns auf die andere Seite bringen soll. Der Hafen ist riesig, ähnlich eines Flughafens und wir warten brav. Der Bus kommt nicht alle 20 Minuten, auch wenn er das sollte und als er kommt und wir einsteigen, ist es der Falsche. Wir steigen beim nächsten Halt aus und geben auf. Es ist Mittag und sicherlich, wie alle Geschäfte auch die Behörde zu. Also Essen besorgen und wieder Richtung Auto. Es gibt Eis und einen Brunnen zum Abkühlen.

Am Auto angekommen, haben wir ein Strafzettel. Ausgestellt auf unser Auto aber als Halter ist eindeutig ein Italiener vermerkt. Wahrscheinlich konnte der Polizist in seine Maschine auch nicht deutsch auswählen. Also regeln wir das Ticket so, wie es ein richtiger Italiener gemacht hätte. Einkaufen und raus aus der Stadt. Wir finden auf dem Weg noch ein Reisebüro. Um 17 Uhr machen sie auf. Wir warten noch kurz und gehen rein, fragen nach. Sie bestätigen, dass wir nicht fahren dürfen und versprechen uns sich zu informieren. Wir sollen am nächsten Tag anrufen. Also geht es weiter. Lilou müde und k.o. so tapfer an dem Tag. Wir entscheiden dennoch, da es auf dem Weg liegt, noch beim Decathlon vorbei zu fahren. Unser Planschbecken ist kaputt gegangen, als Sarah mit ihrem Rasierer hängen geblieben ist. Wir wollen es ersetzen. Es bleibt nicht nur dabei und so bekommt jeder noch eine Sonnenbrille. Langsam werden wir hungrig und Lilou ungeduldig. Aber es gibt direkt daneben einen Baumarkt. Wir müssen rein, haben wir schon eine Liste an Sachen und so heißt es nochmal Zähne zusammenbeißen. Ich beschäftigte Lilou an einer Leiter, bis ein Mitarbeiter es mir verbietet, während Sarah eine dünne OSB-Platte zurechtschneiden lässt. Wir müssen unser Bett verstärken…Hat CarTon versagt?

Nein, hat es nicht. Zwei Monate reisen und alle Module bis ins äußerste benutzen, Sand, Wasser … alles hält es aus. Es gibt ein paar kleine Macken, nichts schlimmes, aber erstaunlich wenig. Das sind nur Schönheitsreparaturen. Nur das Bett, dass wird doch anders und zu viel beansprucht. Lilou springt, tobt, läuft und plumst darauf. Sarah und ich sitzen abends auf einer Ecke eng zusammen, während Lilou friedlich auf der anderen schläft. So war das nicht ganz gedacht und die viele Bewegung, zermürbt den Karton ein wenig. Es knarchzt ziemlich und ich bekomme Angst, das es bald kracht und bricht. Also setze ich mich durch und wir legen kurzerhand eine 9mm dicke OSB-Platte drauf. Kein Knarzchen und keine Angst mehr. Natürlich vergessen wir einen Schnitt, also muss ich nochmal mit der Taschenmesser Säge ran. Aber wir sind gewappnet. Anschließend ist der Tag geschafft. So lang wie zwei und Lilou schläft direkt im Auto ein. Zufrüh für die Nacht und zu spät für den Mittag. Es wird ein langer Abend mit ihr.

Sägearbeiten im Außenumfeld

Am nächsten Tag gibt es mehr Infos. Italien verbietet uns die Ausreise wegen Corona. Genau noch eine Woche, also bis heute Montag den 17.Mai. Danach können wir fahren. Also müssen wir fast noch eine Woche hier verbringen. Es gibt wesentlich schlimmeres und der nicht vorhandene Zeitstress ist angenehm. Wir entscheiden uns doch noch den Nationalpark Gargano im Norden Apuliens anzusehen und dann wieder zurück nach Bari zu kommen. Also geht es in den Norden. Im Gargano schauen wir uns Vieste an. Eine wundervolle Küstenstadt, so wie man sich im Bilderbuch ein Meeresdorf vorstellt und Italienischer kann es nicht sein. Sehr Sehenswert und wir genießen unseren Tag am Spielplatz, Eis essen und durch die Gassen schlendern. Wir schlafen außerhalb mit Blick aufs Meer. Aber wir sind nicht alleine. Es stehen bereits zwei Autos hier und die Männer daneben erzählen uns gerne was sie tun und wer sie sind. Hobbyfischer und heute Nacht wird Seppia – Tintenfisch geangelt. Ein Licht scheint ins Wasser und lockt sie an und dann muss man mit geschickten Händen diese mit dem Netz fangen. Von 21 bis 5 Uhr machen sie das und jetzt stehen sie hier, damit ihnen keiner den Platz streitig macht. Es gibt nur wenige davon und die sind begehrt. Deshalb warten sie bereits seit 6 Uhr in der früh. Was für eine Hingabe für das Hobby. Das finden sie auch, obwohl sie sich beklagen, dass sie wegen Corona die Hauptsaison verpasst haben. Und eigentlich gilt die Ausgangssperre immer noch, aber das ist jetzt egal. Nachts sehen wir das Licht der Fischer leuchten und freuen uns, im warmen trockenen Bett zu sein, während der Regen auf das Dach schlägt.

Viel von Gargano sehen wir nicht. Es regnet und ist nicht so fein, also fahren wir wieder Richtung Süden. Dennoch können wir erahnen wie schön die zahlreichen Wanderwege in diesem dichten und alten Wald sind. Wir kommen erneut an einen Strand. Diesmal sehr nah an der nächsten Stadt (Barletta). Der Platz ist gut besucht. Erst von Radfahrern, Spaziergängern und Joggern, am Abend dann von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die eins zwei Bier trinken und einen Joint rauchen. Überall schallt Musik und man genießt den Blick aufs Meer und den Sonnenuntergang. Die Sonne ist noch gar nicht ganz weg, dann leert sich der Platz ziemlich schnell. Aber nur um eine halbe Stunde später wieder angefahren zu werden. Überall parken Autos, immer im Versuch so weit wie möglich weg von den anderen zu sein. Es steigt keiner aus, aber die Scheiben beschlagen. Kondompackungen fliegen aus den Fenstern und manchmal quietscht eine rostende Autofeder.

Am nächsten Morgen sind wir eingesperrt. An beiden Enden sind Polizeibarrieren und es gibt kein Entkommen. Sie haben uns, denke ich zuerst. All das Glück vorbei?! Es hält ein Auto neben uns und der Mann darin redet hektisch auf Sarah ein. Ich bin nervös. Dann die Übersetzung. Heute ist hier Halbmarathon und wir sind auf der Strecke. Raus dürfen wir nicht mehr und müssen warten bis der Lauf zu Ende ist. Nagut, dann das beste draus machen. Laut Musik aufs Dach und wir dazu und Anfeuern und Stimmung machen. Nach einer Weile hilft Sarah beim Wasser verteilen, Lilou feuert an und rennt immer wieder mit. Sie sammelt die vielen Deckel ein, die mit den Wasserflaschen weggeschmissen werden. Die Leute jubbeln ihr zu und schauen erstaunt auf unser Auto. Einer ruft uns zu, dass wir das Leben verstanden haben und Lilou winkt zum Dank. 900 Leute nehmen teil. Natürlich alles Coronakomform. Die Helfer tragen Masken und die Läufer und Läuferinnen auch. Zumindest die ersten und letzten 500 Meter. Als ein 84 Jähriger Mann vorbei läuft, der jedes Jahr teilnimmt, ist der Spuk vorbei. Was die Helfer und wir an Müll nicht einsammeln bleibt liegen. Wir fahren weiter und suchen uns einen Platz vor Bari. Morgen soll es nach Albanien gehen.

Wir waren nun 52 Tage in Italien auf Reisen und haben wundervollenl Landschaften gesehen, Abenteuer erlebt und herzliche Menschen getroffen. Vielen Dank dafür. Danke an Hannes, Evelyn, Lena, Hannes, Maria, dass wir bei euch sein durften. Danke an Antonio und den leckeren Kuchen, an Gigi und der super Parkplatz in Neapel. Danke an die Bewohner von San Bernardino. Danke an die Parkwächter in Park von Rom. Danke an die Helfer an der geschlossen Strasse, danke an alle die unbekannten Helfer, freundlichen Stimmen und Ermutigungen. Danke für das Begleiten und mit uns freuen. Das Glücklichsein zu teilen, macht das Glücklichsein größer.

Hinweis: Wir fahren jetzt nach Albanien, was in der Weltzone 3 liegt. Sprich sehr teuer, wenn wir mit unseren deutschen Handys surfen und telefonieren. Wir versuchen direkt eine albanische Prepaid Karte zu bekommen. Falls das nicht klappt, sind wir erstmal offline. Ich schreibe versprochen weiter und veröffentliche alles, aber macht euch keine Sorgen, wenn das erstmal dauert. (Ich gehe nicht davon aus.)

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