Masken & Kondome

Was wie der Anfang einer Einkaufsliste oder einer Aufzählung von Schutzmitteln klingt, ist zu unserem stillen Begleiter geworden. Aber sicherlich anders als du nun denkst …

Wir durchstreifen Kalabrien und Apulien. Wir bleiben an den Stränden und fahren dem Meer nach. Durch Orangen-, Zitronen- und Olivenplantagen. Zwischen farbenfrohen Bäumen sehen die Olivenhaine alt und mächtig irgendwie weiße aus. Dazwischen liegen wunderschöne Blumenwiese die gesäumt von lilanen, gelben, blauen und roten Blumen sind. Der rote Klatschmohn fällt mir besonders auf und in einer solchen Fülle habe ich ihn noch nie gesehen. Im Kontrast mit dem klaren blauen Himmel ein Postkartenambiente.

Die Strände sind zahlreich und jeder für sich in seiner Eigenart wunderschön. Wir sind an Kies-, Stein- und Sandstränden. Der Sand ist mal fein, mal grob. Er ist dunkler fast schwarz und dann ganz weiß. Manchmal sind wir mit Anglern, manchmal bei geschlossenen Lidos. Oft sind wir ganz dicht am Meer und steigen mit Meeresblick aus. Es ist wie in einem falschem Film. Wir leben das Klischee und nur das Wetter, die vielen Blüten und der Sand holt uns in die Realität zurück. Das Wetter ist sehr windig geworden und bläst die hohen Temperaturen wieder auf 22 Grad runter. Gleichzeitig werden die Blüten der Bäume direkt auf und in unser Auto verteilt. Überall hängen, kleben die gelben Pollen und die grüne Innenverkleidung hält sie fest wie Klettverschluss. In Kombination mit dem vielen feinen Sand ist es im Auto so dreckig wie noch nie. Und das trotz der wiederholten Aufräummaßnahmen von Lilou, bei denen Paprikagewürz und wilde Blüten verteilt wurden. Statt einmal am Tag kehren wir nun unzählige Male und werden dem Strand im Auto nicht her. Wir ergeben uns, schlafen ein wenig wie auf Sandpapier und tragen die Blüten und den Sand weiter. Zwischen Windschutz und Dachkiste ist ein ganzes Lager und Lilou erweitert es um ein paar Muscheln. Sie werden auch beim Fahren nicht weggeweht. Der Raum dahinter ist also wirklich winddicht.

Wir sind an La Fonte Beach oder wie wir es nennen Paradise Island. Mit Erlaubnis der Eigentümer stehen wir direkt am Strand mit Möglichkeit für die Hängematte und Schaukel. Wir bleiben direkt 2 Tage und ruhen uns aus.

Egal an welchem Strand wir sind, wir sind nicht alleine. Eigentlich hatte ich es viel schlimmer erwartet und berichtet jeder von großen Bergen. Bereits in Neapel haben wir es gesehen, dass war die Grenze und seit dem ist es nicht mehr zu übersehen. Müll.

In jeder Parkbucht, am Strand und zwischen den Steinen findet man den Einfluss von Menschen. Vor allem entdecken wir an jedem Strand und Ort an dem wir ankommen, Kondome und Masken. Die Menschen schützen sich, das ist fein, aber die Umwelt schützt es nicht. Generell ist Corona das Ende vieler Umweltbewegungen. War vor der Pandemie das Thema Friday for Futures in den Medien, so sind es nun die neue Covid-Regelungen. Gleichzeitig sollen wir hier für jedes Gemüse eine neue Plastiktüte verwenden und Einweg- Plastikhandschuhe tragen. Zum Glück halten sich so wenige daran. Den Müll den wir gerade auch wegen der Pandemie produzieren wird uns die nächsten Jahrzehnte begleiten und belasten.

Ich glaube daran und mein Studium hat es mir gezeigt, dass wir die Welt zerstören. Bis vor 1 Jahr war ich auch grundsätzlich überzeugt davon, dass wir daran nichts mehr ändern können. Die Gesellschaft müsste sich ändern und wir den Bezug zu Energie und Nutzen wieder finden. Individuell und ganz global. Unmöglich habe ich gedacht. Dann kam Corona und die ganze Welt hat sich verändert. Schlagartig und rasant. Ich denke einiges bleibt und ich denke wir könnten das auch für die Umwelt. Doch ich befürchte wir können es nicht einfach so. Doch welche Naturkatastrophe wird nötig sein, um ein radikales Umdenken zu erreichen?

Genug der drüben Worte. Wir sammeln unseren Müll, sammeln auch einigen der Anderen ein und schmeißen sie in öffentliche Mülleimer. Ein bisschen für unser Gewissen. Wir sind dankbar für jeden Abfalleimer und zum Glück gibt es genug davon. Genauso wie Brunnen und wir merken gerade wie wichtig Trinkwasser ist. Generell wächst das Verständnis wie viel man verbraucht, verschmutzt und produziert. Deshalb entsteht eine weitere Idee. Nichts großes aber etwas um ein klein wenig zu helfen und unsere Dankbarkeit für so viel Lebensqualität zu teilen. Die Idee ist für jeden Kilometer, den wir auf dieser Reise fahren zu Spenden. Zum Schutz der Umwelt und der wertvollen und immer weniger werdenden Trinkwasserressourcen. Ich denke wir spenden an Water.org, aber ich werde noch genauer recherchieren welche Organisation auch wirklich Gutes und aus ingenieurtechnischer Hinsicht sinnvolles tut.

Zurück zur Reise… Da stehen wir also an unserem Platz neben offenen Kondompackungen und Masken und suchen einen Weg uns vor dem Wind zu schützen, bzw. nutzen. Wir haben ja einen Drachen dabei und das zahlt sich aus. Auf dem freien Strand ist so viel Platz und der Wind lässt den Lenkdrachen von knapp über den Boden bis weit hinauf mit einem lauten Tosen steigen. Ich freue mich wie ein Kind und höre erst auf, als die Arme schwer werden, zu oft will der Drache mit dem Wind weiter segeln. Seine eigenen Abenteuer erleben.

Wir fahren weiter schauen uns Gallipoli an. Ein Ort, den man nicht gesehen haben muss, wenn man aber hier ist unbedingt ansehen sollte. Die Altstadt auf einer Halbinseln mit mittelalterlichen Häusern mit engen Gassen bei denen erneut die Wäscheleinen das Bild vervollständigen. Wir machen eine schöne Runde und Lilou tobt mit den Kindern auf einem Spielplatz bis es weiter geht.

Wir fahren zum südlichsten Punkts Apuliens. Ein beeindruckend schöner Leuchtturm steht hier neben einer alten Basilika, die bereits 1648 durch einen Piratenangriff erobert wurde. Man fühlt sich ein wenig wie in einer anderen Zeit. Alles ist so anders hier. Die Architektur ist griechisch angehaucht und die Häuser haben keine beziegelten Dächer, sondern sind wie aus einem Guss gemauert. Höhlen, die weiß aus den oft kahlen Feldern herausragen. Es ist wieder wärmer und im Sommer sicherlich unerträglich heiß. Dennoch bieten die Spielplätze und öffentlichen Plätze keinen Schutz vor der Sonne, als wollte man nicht das jemand hier ist. Ein bisschen 1001 Nacht, was wir ergänzen indem Sarah unser Bett in den Palast von Sherazade verwandelt. Das Moskitonetz wird an der Decke befestigt und einmal um das Bett gespannt. Abends kommen die Mücken. Lilou und Sarah sind die Leitagenden und so ist Lilous Ohr gerade dick und rot. Sie stört es nicht, sie stört generell wenig. Sie liebt den Sand und traut sich jeden Tag weiter ins Meer. Wenn es ein Becken im Fels gibt oder wir das Planschbecken am Strand füllen, ist es nicht sicher und es wird stetig aufgesucht.

Feine Tage verbringen wir so südlich in Europa und doch ist der Plan nun wieder nördlich zu fahren. Rauf nach Bari und mit der Fähre nach Albanien. Also packen wir unsere Sachen. Sonnencreme, Drachen, Planschbecken, Sand, Blütenpollen, Masken und natürlich Kondome!

Lilou in den Sandfelsen

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